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Berlinfahrt der 10er der
Ludgerusschule
vom 13. - 17. Oktober 2003
Auf Einladung von MdB Frau Elke Wülfing reisten die beiden 10er-Klassen
der Ludgerusschule am Montag, den
13. Oktober 2003, nach Berlin. Begleitet wurden sie von den beiden
Klassenlehrern Gerd Hieronimus und Ewald Meis, als weitere
Begleiterinnen waren Heidrun Burkamp und Brigitte Hüning mit von der
Partie. Bei sonnigem Wetter, das während
der gesamten Fahrt anhielt, verlief die Hinfahrt problemlos und gegen 15
Uhr wurde das Dorint Airport-Hotel in Berlin Tegel erreicht.
Nach dem Einchecken im Hotel blieb noch Zeit für eine Fahrt ins Zentrum
und einen Bummel über den Kurfürsten-Damm. Die Rückfahrt zum Hotel
nutzten alle, um sich mit U- und S-Bahn vertraut zu machen, da viele
Ziele in den nächsten Tagen mit dem öffentlichen Verkehrssystem erreicht
werden sollten.
Der Dienstagmorgen begann nach einem
ausgiebigen Frühstück mit einer Stadtrundfahrt. Wohl alle waren von der
Fülle der Informationen gleichsam erschlagen. Es blieb der Eindruck
einer riesigen, pulsierenden Metropole, von der man in den zur Verfügung
stehenden fünf Tagen nur bruchstückweise Eindrücke gewinnen kann. Wer
mehr will, wird wohl wiederkommen müssen.
Um 14 Uhr stand dann das Treffen mit MdB Elke Wülfing im Reichstag auf
dem Plan. Nach einem Vortrag über ihre politische Arbeit erhielt Frau
Wülfing von den Schülern das Buch zum Road Ahead Prize 2000, "50 Jahre
Bundesrepublik Deutschland", zu dem sie auch einen Beitrag -
übrigens zum Thema "Hauptstadt Berlin" - beigesteuert
hatte. Nach einem gemeinsamen Foto verabschiedete sich die Gruppe von
der Politikerin.
Beeindruckend war der anschließende Besuch der Reichstagskuppel. Sie
bietet faszinierende optische Eindrücke und erlaubt einen fantastischen
Rundumblick auf die Stadt Berlin. Im benachbarten Paul-Löbe-Haus,
benannt nach dem letzten demokratischen Präsidenten des Reichstages, gab
es dann zur Stärkung einen Imbiss im Besucher-Restaurant.
Am Abend bildeten sich je nach Interessenslage zwei Gruppen. Für die
einen war "Abtanzen" im Ku-Dorf angesagt, die anderen zog es zum
Fernsehturm am Alexanderplatz, von wo aus sie einen beeindruckenden
Blick auf das nächtlich erleuchtete Berlin werfen konnten.
Nach dem Frühstück am Mittwochmorgen
ging die Fahrt zum ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen in
unmittelbarer Nähe Berlins. Sachsenhausen nahm als Modell- und
Schulungslager der SS eine Sonderstellung ein. 200000 Menschen waren
hier von 1936 bis 1945 inhaftiert. Zehntausende kamen durch Hunger,
Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer
systematischer Vernichtungsaktionen. Von 1945 bis 1950 wurde
Sachsenhausen als sowjetisches Speziallager weiter genutzt und wieder
starben Tausende.
Johanna Burkert und Anika Schenk haben ihren Besuch in
Sachsenhausen wie folgt beschrieben:

"Für
uns persönlich war es ziemlich heftig zu sehen, wie früher Menschen
gequält wurden aus Gründen, für die sie nichts konnten. Man konnte dort
zum Beispiel einige Baracken ansehen, wo früher die Häftlinge unter
menschenunwürdigen Bedingungen gelebt haben. Als wir lasen, dass die
Häftlinge zum Teil in den dreckigen Toiletten ertränkt wurden oder
anders zu Tode gefoltert wurden, konnten und wollten wir uns gar nicht
vorstellen, wie es damals wirklich war. Wir sind echt froh, dass wir das
nicht miterleben mussten. Schon als wir die Schlafräume sahen, wurde uns
schlecht und wir mussten mit den Tränen kämpfen, weil wir es schrecklich
fanden, wie diese Menschen leiden mussten.
Uns wurde klar, dass man viel zu oft über sein Leben meckert, über das
man sich eigentlich freuen sollte.
Ich verstehe heute noch nicht, wie Menschen anderen Menschen so etwas
antun können, sie quälen wegen ihres Glaubens oder aus anderen Gründen.
Gründe, in ein KZ zu kommen, waren unter anderem der jüdische Glaube,
Obdachlosigkeit, Homosexualität oder eine andere politische Meinung .
Die Sträflinge wurden aber nicht nur seelisch gequält, sondern auch
körperlich durch schwere Arbeit zu menschlichen Wracks gemacht. Sie
mussten Schuhe testen, Straßen bauen, neue KZs anlegen oder Leichen
entsorgen ... ."
Die Geschichte des geteilten Berlins wurde am Nachmittag im Mauermuseum
"Haus am Checkpoint Charlie" lebendig. Beeindruckend vor allem die
Zeugnisse der vielfältigen, oft abenteuerlichen Versuche der Menschen in
die Freiheit zu gelangen.
Im Verlaufe des weiteren Nachmittages steuerten die Schüler dann in
Gruppen weitere Ziele in Berlin an (Sony-Center, Zoologischer Garten,
KaDeWe, ...). Am Abend trafen sich dann alle im Brauhaus "Luisenbräu" in
Charlottenburg wieder und ließen den ereignisreichen Tag ausklingen.
Der Donnerstag war dann der
Kreuzberg-Tag. Der "X-Berg-Tag" ist ein Projekt des Kreuzberg-Museums
zusammen mit anderen Trägern. Zwei junge gebürtige Kreuzbergerinnen
(Nadja und Ilknur) führten die Heidener durch das Stadtviertel. Dort
bekamen die Teilnehmer Informationen aus erster Hand, besuchten ein
typisches türkisches Männer-Café, "durchspielten" eine türkische
Hochzeit auf dem Oranienplatz (incl. Hochzeitstanz!), beobachteten
Muslime beim Gebet in der Merkez-Moschee, trafen sich anschließend zu
einem orientalischen Mittagessen in einem türkischen Restaurant und
hatten immer wieder Gelegenheit zum Gespräch mit unseren beiden
Gastgeberinnen. Fazit: Ein Lehrstück über das Zusammenleben von Menschen
unterschiedlichster Herkunft in einem ungewöhnlichen Berliner Stadtteil.
Der Nachmittag war dann wieder Gruppenaktivitäten vorbehalten. Die einen
zog es z.B. zum Olympia-Stadion, andere machten die Runde bei den
Buddy-Bears in der Nähe des Brandenburger Tores. Für den Ausklang des
Abends war das Leopold's Brauhaus in der Nähe des Alexanderplatzes
gebucht worden.
Die Rückfahrt am Freitag führte nach
dem Verlassen des Hotels über Potsdam mit dem Schloss Sanssouci. Die
"müden Krieger" erlebten für den Rest der Strecke eine ruhige Fahrt ohne
größere Staus und trafen gegen 19.30 Uhr wieder in Heiden ein. |