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Sehen und gesehen werden
Verkehrserziehung in der 5b der Ludgerusschule mit
Bildern,
Spiegeln und einem großen Lkw
Heiden
(hhk). "Viele kommen aus den Bauernschaften und fahren mit ihren Rädern
zur Schule", antwortet Klassenlehrer Thomas Heinisch auf die Frage,
warum Verkehrserziehung in der Hauptschule Sinn macht. Da sei es schon
wichtig, so der Pädagoge, dass sich die Kinder richtig auf den Straßen
verhielten.
Was hat es mit dem Spiegel auf sich, der dem
"toten Winkel" trotzt? Dieser Junge der 5b sah sich im Polizei-Lkw
das Sehen im Führerhaus aus nächster Nähe an. Fotos: hhk
Seine Schützlinge, das sind die Jungen und Mädchen der 5 b an der
Ludgerusschule, sind still und aufmerksam. Der Klassenlehrer sitzt im
hinteren Klassenraum auf einer Bank. Für die Verkehrserziehung hat er
sich Verstärkung geholt. Die Männer in Uniform haben einen Lkw
mitgebracht, der unten auf dem Pausenhof steht, Folien und viel
Erfahrung, wie man mit Fünftklässlern umgeht.
Die Aufmerksamkeit der 5 b genießen Polizeihauptkommissar Walter
Behnfeld und Polizeikommissar Rolf Klinger. Sie haben ein Bild an die
Wand über der Tafel projiziert, das einen nach rechts abbiegenden Lkw
zeigt und davor Kinder mit ihren Fahrrädern.
Das Bild hilft verdeutlichen, um was es geht. Aufgefordert, zu erklären,
was sie sehen, sagt ein Steppke: "Der Lkw-Fahrer kann bestimmt sehr
wenig sehen." Die Gesichter der Polizisten spiegeln Freude wider. Der
Junge hat verstanden.
"Dass müsst ihr mit dem Verkehr so sehen wie mit einer heißen
Herdplatte", verdeutlicht Behnfeld. "Schaut nach links über die
Schulter, ob ein Lkw kommt." Früher, flachst einer der Kommissare,
konnte man in Heiden noch hören, wenn in Ramsdorf ein Lkw startete.
Die Fahrzeuge heute, sagt er, sind leiser, "wie das Flüstern eines
Menschen." Die Fünftklässler nicken. Sie haben verstanden.
"Wir gehen systematisch vor", erläutert Klinger das Vermittlungskonzept:
"Wir fragen ab, was vom 4. Schuljahr hängengeblieben ist." Denn da werde
die Radfahrprüfung abgenommen. Und da knüpfen die Beamten an. Das
Verhalten beim Linksabbiegen etwa müsse im Unterbewusstsein verankert
sein: Umsehen und Handzeichen geben, ohne überhaupt dabei lange
überlegen, sagt Klinger. "Das muss einfach sitzen."

Walter Behnfeld (r.) zeigt den Fünftklässlern, was
ein Lkw-Fahrer sieht - und was nicht.
Das Vermitteln von überlebenswichtigem Wissen geht draußen weiter. Dass
es schneit und ein unwirtlicher Wind über den Pausenhof fegt, stört die
Kinder nicht. Sie wollen wissen, wie das mit dem "toten Winkel" und dem
Zusatzspiegel funktioniert. " Wir spielen David Copperfield und können
eine ganze Klasse verschwinden lassen." Das leuchtet dem Jungen ein, der
vor dem Lenkrad sitzt. Denn Walter Behnfeld zieht die Tasche vom
Zusatzspiegel. Und siehe da, die Schüler sind zu sehen.
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