Übersicht 03/04

 
 11.03.2004
 

 
Sehen und gesehen werden

Verkehrserziehung in der 5b der Ludgerusschule mit Bildern,
Spiegeln und einem großen Lkw
 

Heiden (hhk). "Viele kommen aus den Bauernschaften und fahren mit ihren Rädern zur Schule", antwortet Klassenlehrer Thomas Heinisch auf die Frage, warum Verkehrserziehung in der Hauptschule Sinn macht. Da sei es schon wichtig, so der Pädagoge, dass sich die Kinder richtig auf den Straßen verhielten.

Was hat es mit dem Spiegel auf sich, der dem "toten Winkel" trotzt? Dieser Junge der 5b sah sich im  Polizei-Lkw das Sehen im Führerhaus aus nächster Nähe an. Fotos: hhk

Seine Schützlinge, das sind die Jungen und Mädchen der 5 b an der Ludgerusschule, sind still und aufmerksam. Der Klassenlehrer sitzt im hinteren Klassenraum auf einer Bank. Für die Verkehrserziehung hat er sich Verstärkung geholt. Die Männer in Uniform haben einen Lkw mitgebracht, der unten auf dem Pausenhof steht, Folien und viel Erfahrung, wie man mit Fünftklässlern umgeht.
Die Aufmerksamkeit der 5 b genießen Polizeihauptkommissar Walter Behnfeld und Polizeikommissar Rolf Klinger. Sie haben ein Bild an die Wand über der Tafel projiziert, das einen nach rechts abbiegenden Lkw zeigt und davor Kinder mit ihren Fahrrädern.
Das Bild hilft verdeutlichen, um was es geht. Aufgefordert, zu erklären, was sie sehen, sagt ein Steppke: "Der Lkw-Fahrer kann bestimmt sehr wenig sehen." Die Gesichter der Polizisten spiegeln Freude wider. Der Junge hat verstanden.
"Dass müsst ihr mit dem Verkehr so sehen wie mit einer heißen Herdplatte", verdeutlicht Behnfeld. "Schaut nach links über die Schulter, ob ein Lkw kommt." Früher, flachst einer der Kommissare, konnte man in Heiden noch hören, wenn in Ramsdorf ein Lkw startete.
Die Fahrzeuge heute, sagt er, sind leiser, "wie das Flüstern eines Menschen." Die Fünftklässler nicken. Sie haben verstanden.
 "Wir gehen systematisch vor", erläutert Klinger das Vermittlungskonzept: "Wir fragen ab, was vom 4. Schuljahr hängengeblieben ist." Denn da werde die Radfahrprüfung abgenommen. Und da knüpfen die Beamten an. Das Verhalten beim Linksabbiegen etwa müsse im Unterbewusstsein verankert sein: Umsehen und Handzeichen geben, ohne überhaupt dabei lange überlegen, sagt Klinger. "Das muss einfach sitzen."


Walter Behnfeld (r.) zeigt den Fünftklässlern, was ein Lkw-Fahrer sieht - und was nicht.

Das Vermitteln von überlebenswichtigem Wissen geht draußen weiter. Dass es schneit und ein unwirtlicher Wind über den Pausenhof fegt, stört die Kinder nicht. Sie wollen wissen, wie das mit dem "toten Winkel" und dem Zusatzspiegel funktioniert. " Wir spielen David Copperfield und können eine ganze Klasse verschwinden lassen." Das leuchtet dem Jungen ein, der vor dem Lenkrad sitzt. Denn Walter Behnfeld zieht die Tasche vom Zusatzspiegel. Und siehe da, die Schüler sind zu sehen.