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Auf dem Podium (v.l.): Landwirt Bernhard Brun, Bürgermeister Heiner Buß,
IHK-
Geschäftsführer Hans-Bernd Felken, Dr. Matthias Quas (WLV), Josef
Farwick (Leiter
der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Borken). Fotos:
hhk
Am Anfang der Diskussion
Bürgerversammlung zum
Gewerbepark / Landwirte fürchten Flächenverlust
Heiden (hhk). Kontrovers aber sachlich verlief die
Bürgerversammlung zum geplanten interkommunalen Gewerbepark an der A 31.
Rund 350 Heidener folgten der Einladung von Bürgermeister Heiner Buß in
die Aula der Ludgerusschule. In einer Arbeitsgruppe möchte er künftig
Landwirte und Anlieger einbinden.
Knapp zweieinhalb Stunden dauerte der Austausch von Argumenten zum Für
und Wider. Eingangs erläuterte Bürgermeister Heiner Buß, warum er den
Gewerbepark in der Größenordnung von 40 bis 45 Hektar favorisiere und
warum Heiden die Änderung des Gebietsentwicklungsplanes (GEP) beantragen
solle. Am 15. Dezember habe die Bezirksregierung die Bereitschaft
erklärt, die Änderung des Gebietsentwicklungsplanes in Angriff zu
nehmen, wenn der Rat der Gemeinde Heiden das beantrage. Es bestehe
Handlungsbedarf, so Buß, weil keine Flächen mehr für Gewerbe zur
Verfügung stünden. Zwölf Anfragen hätten in den letzten Monaten in einer
Größenordnung von zwei Hektar nicht befriedigt werden können. Die ins
Spiel gebrachte Größenordnung von 145 Hektar für den geplanten
Gewerbepark treffe nicht zu.

Voll besetzt war die Aula der Ludgerusschule bei der Bürgerversammlung
zum
geplanten Gewerbepark an der A31.
Geschäftsführer Hans-Bernd Felken von der IHK Nord (Bocholt)
argumentierte in der Versammlung für den Gewerbepark, weil der Standort
ein "großes Potential" habe. Es gehe nicht um ein "08/15-Gewerbegebiet",
sondern um ein Gebiet mit innovativem Charakter. Er sei sicher, dass es
angenommen werde und wies auf den Industriepark in Mussum. "Wenn Sie
diese Erfolgsstory wiederholen wollen, müssen sie handeln", sagte Felken.
Auf den Verbrauch landwirtschaftlicher Nutzfläche machte Dr. Quas vom
WLV aufmerksam. Er sprach von einem "Flächenfraß" von täglich 131
Hektar. In Deutschland lägen 70.000 Hektar Industriefläche brach.
Deshalb müsse man den Verbrauch landwirtschaftlicher Fläche verringern.
Gemeinden müssten sich entwickeln können, aber auch landwirtschaftliche
Betriebe, so Dr. Quas.
Mit aktuellen Zahlen wartete Josef Farwick, Leiter der
Landwirtschaftskammer (Zweigstelle Borken) auf. Derzeit gebe es 110
Landwirte in Heiden. Der Schwerpunkt liege im Gemüse- und
Kartoffelanbau. 1979 seien es noch 189 gewesen. 67 Prozent der Höfe
würden in Heiden im Haupterwerb betrieben, in Reken seien es 48 Prozent.
Ein weiterer Flächenverbrauch führe zum Verlust weiterer Arbeitsplätze
in der Landwirtschaft. Landwirt Bernhard Brun meinte, die Landwirtschaft
verlöre zwei Mal Fläche. Einmal durch den Eingriff und zweitens durch
die völlig unsinnige Regelung bei den Ausgleichsflächen. Das
Ökopunkte-System würde Ackerflächen mit eins und Wald mit sieben
bewerten.
Kritiker aus der Bürgerschaft meinten, man solle andernorts Flächen
nutzen und nicht in Heiden verbrauchen. Außerdem argwöhnten sie, Heiden
könnte ein Stück Souveränität verlieren, wenn die Gemeinde mit Reken und
Borken im Boot sitze. "Was wir haben, wissen wir, was wir bekommen,
wissen wir nicht", so eine Zuhörerin.
ZITATE
"Wir werden hier nicht BMW aus München ansiedeln
können."
IHK-Geschäftsführer Hans-Bernd Felkens Einschätzung über potenzielle
Gewerbepark- Interessenten.
"Die Vogelstange in Leblich ist nicht tangiert.
Ich kann sie beruhigen."
sagte Bürgermeister Heiner Buß und erntete dafür den Zwischenruf
"Blödsinn!"
"Wenn ich kein Optimist wäre, könnte man den
Standort Deutschland ganz schließen",
meinte Hans-Bernd Felken über seinen Job und sein Selbstverständnis als
Geschäftsführer einer Industrie- und Handelskammer.
"Wir müssen keine Höfe aussiedeln. Heiden liegt
zentral zwischen Borken und Reken",
so Bürgermeister Heiner Buß auf Fragen, warum sich die drei
Bürgermeister das Areal in Heiden an der A 31 ausgesucht hätten.
"Ich bin kein militanter Gegner von
Gewerbebetrieben",
bekannte Landwirt Bernhard Brun, der seine Ökobilanz vortrug.
"Wenn das so ausgeht, werde ich das akzeptieren
und das Vorhaben streichen",
antwortete Bürgermeister Heiner Buß auf die Frage, was er mache,
wenn bei einem Bürgerbefragung die Mehrheit gegen den Gewerbepark sei.
"Offenbar gibt es die Förderung für die
Erschließung eines Gewerbeparks durch das Land nur; wenn es ein inter-
kommunales ist",
antwortete Hans-Bernd Felken auf die Frage nach dem Grund der
Kooperation zwischen den drei Kommunen, Borken, Heiden und Reken.
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