Übersicht 03/04

 
 25.03.2004
 

 


Auf dem Podium (v.l.): Landwirt Bernhard Brun, Bürgermeister Heiner Buß, IHK-
Geschäftsführer Hans-Bernd Felken, Dr. Matthias Quas (WLV), Josef Farwick (Leiter
der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Borken).Fotos: hhk
Am Anfang der Diskussion
Bürgerversammlung zum Gewerbepark / Landwirte fürchten Flächenverlust

Heiden (hhk). Kontrovers aber sachlich verlief die Bürgerversammlung zum geplanten interkommunalen Gewerbepark an der A 31. Rund 350 Heidener folgten der Einladung von Bürgermeister Heiner Buß in die Aula der Ludgerusschule. In einer Arbeitsgruppe möchte er künftig Landwirte und Anlieger einbinden.

Knapp zweieinhalb Stunden dauerte der Austausch von Argumenten zum Für und Wider. Eingangs erläuterte Bürgermeister Heiner Buß, warum er den Gewerbepark in der Größenordnung von 40 bis 45 Hektar favorisiere und warum Heiden die Änderung des Gebietsentwicklungsplanes (GEP) beantragen solle. Am 15. Dezember habe die Bezirksregierung die Bereitschaft erklärt, die Änderung des Gebietsentwicklungsplanes in Angriff zu nehmen, wenn der Rat der Gemeinde Heiden das beantrage. Es bestehe Handlungsbedarf, so Buß, weil keine Flächen mehr für Gewerbe zur Verfügung stünden. Zwölf Anfragen hätten in den letzten Monaten in einer Größenordnung von zwei Hektar nicht befriedigt werden können. Die ins Spiel gebrachte Größenordnung von 145 Hektar für den geplanten Gewerbepark treffe nicht zu.


Voll besetzt war die Aula der Ludgerusschule bei der Bürgerversammlung zum
geplanten Gewerbepark an der A31.

Geschäftsführer Hans-Bernd Felken von der IHK Nord (Bocholt) argumentierte in der Versammlung für den Gewerbepark, weil der Standort ein "großes Potential" habe. Es gehe nicht um ein "08/15-Gewerbegebiet", sondern um ein Gebiet mit innovativem Charakter. Er sei sicher, dass es angenommen werde und wies auf den Industriepark in Mussum. "Wenn Sie diese Erfolgsstory wiederholen wollen, müssen sie handeln", sagte Felken.
Auf den Verbrauch landwirtschaftlicher Nutzfläche machte Dr. Quas vom WLV aufmerksam. Er sprach von einem "Flächenfraß" von täglich 131 Hektar. In Deutschland lägen 70.000 Hektar Industriefläche brach. Deshalb müsse man den Verbrauch landwirtschaftlicher Fläche verringern. Gemeinden müssten sich entwickeln können, aber auch landwirtschaftliche Betriebe, so Dr. Quas.
Mit aktuellen Zahlen wartete Josef Farwick, Leiter der Landwirtschaftskammer (Zweigstelle Borken) auf. Derzeit gebe es 110 Landwirte in Heiden. Der Schwerpunkt liege im Gemüse- und Kartoffelanbau. 1979 seien es noch 189 gewesen. 67 Prozent der Höfe würden in Heiden im Haupterwerb betrieben, in Reken seien es 48 Prozent. Ein weiterer Flächenverbrauch führe zum Verlust weiterer Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Landwirt Bernhard Brun meinte, die Landwirtschaft verlöre zwei Mal Fläche. Einmal durch den Eingriff und zweitens durch die völlig unsinnige Regelung bei den Ausgleichsflächen. Das Ökopunkte-System würde Ackerflächen mit eins und Wald mit sieben bewerten.
Kritiker aus der Bürgerschaft meinten, man solle andernorts Flächen nutzen und nicht in Heiden verbrauchen. Außerdem argwöhnten sie, Heiden könnte ein Stück Souveränität verlieren, wenn die Gemeinde mit Reken und Borken im Boot sitze. "Was wir haben, wissen wir, was wir bekommen, wissen wir nicht", so eine Zuhörerin.

ZITATE

"Wir werden hier nicht BMW aus München ansiedeln können."
IHK-Geschäftsführer Hans-Bernd Felkens Einschätzung über potenzielle Gewerbepark- Interessenten.

"Die Vogelstange in Leblich ist nicht tangiert. Ich kann sie beruhigen."
sagte Bürgermeister Heiner Buß und erntete dafür den Zwischenruf "Blödsinn!"

"Wenn ich kein Optimist wäre, könnte man den Standort Deutschland ganz schließen",
meinte Hans-Bernd Felken über seinen Job und sein Selbstverständnis als Geschäftsführer einer Industrie- und Handelskammer.

"Wir müssen keine Höfe aussiedeln. Heiden liegt zentral zwischen Borken und Reken",
so Bürgermeister Heiner Buß auf Fragen, warum sich die drei Bürgermeister das Areal in Heiden an der A 31 ausgesucht hätten.

"Ich bin kein militanter Gegner von Gewerbebetrieben",
bekannte Landwirt Bernhard Brun, der seine Ökobilanz vortrug.

"Wenn das so ausgeht, werde ich das akzeptieren und das Vorhaben streichen",
antwortete Bürgermeister Heiner Buß auf die Frage, was er mache, wenn bei einem Bürgerbefragung die Mehrheit gegen den Gewerbepark sei.

"Offenbar gibt es die Förderung für die Erschließung eines Gewerbeparks durch das Land nur; wenn es ein inter- kommunales ist",
antwortete Hans-Bernd Felken auf die Frage nach dem Grund der Kooperation zwischen den drei Kommunen, Borken, Heiden und Reken.