Übersicht 03/04

 
 27.02.2004
 

 
Jugendliche brauchen Eltern, die Grenzen setzen
SPD bat zur Podiumsdiskussion in die AWO / Mit dem Ausbildungsplatz im Rücken
lösen sich viele Probleme von selbst


Teilnehmer der Podiumsdiskussion in der Heidener AWO (von links): Fred Öhls, Michael
Hermes, Achim Pitzen, Moderator Georg Meirick, Norbert Konicek und Uwe Maschofski
Foto: geg

Heiden (geg). "Ist die Heidener Jugend noch zu retten?" Mit dieser plakativen Frage beschäftigte sich die SPD in der AWO am politischen Aschermittwoch. Wobei der SPD-Vorsitzende Fred Öhls bereits die Frage nach einer guten Stunde in "Sind die Heidener Eltern noch zu retten?" ummünzen wollte. Das Resümee der anregenden Gespräche ergab, dass die Jugendlichen der Spiegel der Eltern sind, sich die Eltern gehörig an die eigene Nase fassen müssen.
Im großen und ganzen hatten die Herren auf dem Podium Uwe Maschofski (Leiter des Jugendtreffs), Hans-Joachim Pitzen (Ortspolizist), Norbert Konicek (Leiter der Hauptschule) und Michael Hermes (Fachbereich Soziales, Gesundheit und Familie, Kreis Borken) trotz des provokanten Aufhängers über Heidener Jugendliche nichts zu meckern.
"Die Jugend von heute" - dieser Sammelsatz, der nicht Gutes bedeute, den gebe es seit Jahrhunderten, steuerte Konicek bei. Jugend brauche Eltern, an denen sie sich orientieren und anlehnen könne und benötige Eltern, die Grenzen setzen. Das konnte Pitzen nur bestätigen. Er beobachtet, dass es meistens Jugendliche ohne Arbeit sind, die in irgendeiner Art und Weise kriminelle Energien entwickeln. Hätten sie einen Ausbildungsplatz. erledige sich das Problem von selbst. Wobei aber auch der Alkohol eine negative Rolle spiele. In NRW sei die Kriminalität unter den Jugendlichen um 2,5 Prozent angestiegen. Die Zahl treffe auch auf Heiden zu. Bezeichnend sei, dass Delikte fast immer unter Alkoholeinfluss ausgeübt würden, so Pitzen. Er wünsche sich, dass Eltern mehr Grenzen aufzeigten. Es könne nicht sein, dass Minderjährige, also 14- und 15jährige, Alkohol tränken und Zigaretten rauchten. Dass Eltern das akzeptierten, erfahre er nicht selten.
Hermes erlebt in Heiden Strukturen, die es in anderen Gemeinden auch gibt: Alkoholmissbrauch, Drogen, Gewalt, Verwahrlosung, Misshandlung. In der Hochkonsumphase gebe es kaum ein Zimmer ohne Fernseher. Die Schuldzuweisung in Richtung der Medien für die Desorientierung der Jugendlichen sei völlig unangebracht, war Hermes überzeugt. Nicht selten kämen Eltern zu ihm, die in Erziehungsfragen nicht mehr weiter wüssten.
Maschofski berichtete von wachsender Perspektivlosigkeit bei seiner Klientel. Hauptschüler seien heute fast chancenlos. "Jede Familie muss sich selbst an die eigene Nase fassen", so Maschofski, wenn es um Schuldzuweisungen gehe. Seit den 70er Jahren sei eine stete Werte- und Normenveränderung festzustellen.