Übersicht 05/06


Interview mit Julia Sieverding (Leiterin des Jugendtreffs in Heiden) und Norbert Konicek (Schulleiter der Ludgerusschule) in der "Gemeindezeitung der SPD Heiden" ("ortsgespräch")

"Gemeinsame Projekte, aber auch klare Trennung"

Zwei gute Nachrichten für die Jugendarbeit in Heiden: Beim offenen Jugendtreff wird es zum kommenden Jahr eine Ganztagsstelle geben, und voraussichtlich zum 1. März 2006 wird an der Ludgerusschule ein(e) Schulsozialarbeiter(in) mit einer halben Stelle den Dienst aufnehmen. Damit gehen Kreis und Gemeinde noch über einen Antrag der SPD-Fraktion vom Frühjahr 2004 hinaus, der vorsah, für beide Aufgaben zusammen eine volle Stelle zu schaffen. Einem weiteren Anliegen der SPD-Fraktion, Schulsozialarbeit und offene Jugendarbeit in Heiden miteinander zu verzahnen, entsprach der Rat am 15.11.2005 in vollem Umfang.


Georg Meirick beim Interview mit Julia Sieverding und Norbert Konicek in der Ludgerusschule

ortsgespräch befragte Norbert Konicek, Rektor der Ludgerushauptschule, und Julia Sieverding, Leiterin des offenen Jugendtreffs, nach ihren Vorstellungen für eine erfolgreiche Kooperation von Schulsozialarbeit und offener Jugendarbeit.

ortsgespräch: Was macht Ihnen in Ihrem Beruf beim Umgang mit heutigen Jugendlichen die größten Probleme?
Konicek: Die Kommunikation der Schüler untereinander findet oft in einer Vulgärsprache statt, die für mich als Erzieher nur schwer zu ertragen ist. Des Weiteren machen uns Lehrer mangelnde Leistungsbereitschaft und fehlende Motivation der Schüler zu schaffen. Außerdem würde ich mir ein stärkeres Engagement von den Eltern wünschen, deren Kinder gerade diese Defizite aufweisen.
Sieverding
: Motivationslosigkeit und verbale Gewalt sind zwei Merkmale, die auch meine Arbeit im offenen Jugendtreff belasten. Darüber hinaus stelle ich fest, dass der Respekt der Jugendlichen untereinander, aber auch Erwachsenen gegenüber, fehlt. Ich musste mir diesen Respekt mühsam erkämpfen.

ortsgespräch: Trotzdem üben Sie Ihren Beruf gern aus.
Sieverding: Die vielen positiven Rückmeldungen von Seiten der Jugendlichen machen mir Mut. 40 – 70 Besucher kommen regelmäßig zum Jugendtreff, und viele Jugendliche erzählen mir Dinge, die zeigen, dass ich ihr Vertrauen gewonnen habe.

ortsgespräch: Wenn demnächst der/die Schulsozialarbeiter/in an die Ludgerusschule kommt, wo sollten die Schwerpunkte gesetzt werden?
Konicek: Ein Schulsozialarbeiter hat einen anderen Zugang zu den Schülern als ein Lehrer. Ich stelle mir vor, dass er Ansprechpartner für Eltern, Schüler und Lehrer wird. Es darf kein Abschieben von einzelnen problematischen Schülern an den Schulsoziarbeiter geben. Vielmehr sollte es ein Angebot von Trainingsprogrammen zu Konfliktlösungen von Schülern untereinander und zur Persönlichkeitsstärkung von Mädchen geben. Darüber hinaus gehört eine intensive Elternarbeit zu seinen Aufgaben. Dass ich mir eine starke Mithilfe bei der Berufswahlvorbereitung wünsche, versteht sich von selbst?


Ein günstiger neuer Standort für den Jugendtreff wäre nach unserer Meinung das alte Haus Kremer an der Lindenstraße, wenn es nicht mehr als Kindergarten benötigt würde.

ortsgespräch: Gibt es eigentlich schon jetzt eine Kooperation zwischen Jugendtreff und Heidener Hauptschule und wie könnte diese Zusammenarbeit intensiviert werden?
Sieverding: Unser Projekt „Fit for a job“ war mit der Ludgerusschule abgesprochen. Ich konnte unser Anliegen der Schule erläutern, und die Klassenlehrer haben die Schüler zum Mitmachen ermuntert. Der Erfolg war toll und ermutigt zur Wiederholung.
Konicek: Gerade hier bietet sich ein Feld der weiteren Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit und offenem Jugendtreff an. Aber auch andere gemeinsame Projekte sind vorstellbar. Es gibt da sehr gute Erfahrungen von der Hauptschule in Isselburg, aber nicht alles lässt sich kopieren. Wir müssen die Arbeit hier auf die Heidener Situation zuschneiden, und eine gute Kraft wird, da bin ich mir sicher, schon ihren Weg finden. Dabei halte ich es auch für wichtig, dass es kein Verwischen der Sozialarbeit in der Schule und im offenen Jugendtreff gibt. Gemeinsame Projekte, aber auch klare Trennung!

ortsgespräch: Frau Sieverding, beim offenen Jugendtreff stehen demnächst einige Änderungen an: Die halbe Stelle wird auf eine ganze Stelle aufgestockt, und ein Wechsel der Räumlichkeiten ist auch zu erwarten. Wie stehen Sie zu den Konsequenzen aus diesen Veränderungen?
Sieverding: Ich würde gern die volle Stelle übernehmen. Ich hätte dann jeden Tag Umgang mit den Jugendlichen und würde zu einer festen Bezugsperson. Als erstes werde ich mich bemühen, ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen, damit auch bei Erkrankung der Jugendtreff offen bleiben kann. Außerdem möchte ich das Freizeitangebot erweitern.
Was die Räumlichkeiten angeht, bin ich nicht auf einen bestimmten Standort fixiert. Der Jugendtreff muss zu Fuß erreichbar sein und von den Räumlichkeiten so ausgestattet sein, dass sich die Cliquen und auch mal Jungen und Mädchen aus dem Weg gehen können. Eine schöne Küche halte ich für sehr wichtig, sie ist immer ein guter Aufenthaltsort zum Reden. Und natürlich sollte es auch ein Büro geben, in dem ich als Leiterin einigermaßen ungestört bin.
Konicek: Es wäre natürlich gut, wenn der neue Standort des offenen Jugendtreffs nicht zu weit von unserer Schule entfernt wäre.

 Quelle: "ortsgespräch" - SPD-Gemeindezeitung für Heiden - Dezember 2005

 



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