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Lehrer des Vertrauens
Seit 20 Jahren wählen die Klassensprecher Michael Giebing
Heiden (hhk). Michael Giebing muss bei Schülern einen dicken Stein im
Brett haben. Denn seit 20 Jahren (mit kleinen Unterbrechungen) wird er
regelmäßig von den Klassensprechern an der Ludgerusschule zum
Verbindungslehrer gewählt. „Ich mache das gern“, sagt er.
Die jüngste
Wahl war im Juli. Nur die zwölf Klassensprecher durften wählen. Acht
ihrer Stimmen fielen auf Giebing. Eine satte Mehrheit. Die übrigen vier
Voten gingen auf das Konto von zwei anderen Kandidaten aus der
Lehrerschaft. Die Wahl des Verbindungslehrers ist geheim. So will es das
Schulmitwirkungsgesetz. Wahlleiter ist der Schulleiter.
Wer ist der Mann, der so beliebt ist bei den Schülern, der offenbar eine
Antenne für ihre Anliegen hat? Bevor er Lehrer wurde, war Giebing
Industriekaufmann. Dann sattelte er um. Der gebürtige Münsteraner
studierte in der Westfalenmetropole. Seit 1979 unterrichtet Giebing an
der Ludgerusschule.
Deutsch, Geschichte, Technik, Kunst, Erdkunde, Theater und Sport sind
seine Fächer. "Das ist mein Traumberuf" , sagt Michael Giebing mit einem
Lachen, während um ihn herum im Technikunterricht Achtklässler
Schiffsmodelle und Quarzuhren schaffen.
Vielleicht spüren die Schüler, dass ihm besonders an Gerechtigkeit
liegt. "Ungerechtigkeiten kann ich nicht leiden", sagt er frank und
frei. „Alle sollen gleich behandelt werden", ist das Credo des
Pädagogen.
Ein Verbindungslehrer zur Schülervertretung (SV) ist eigentlich immer im
Dienst. In der Pause sprechen ihn die Schüler an und zwischen Tür und
Angel. Geld gibt es für den Job nicht und keine Vergünstigung. "Doch",
sagt Giebing ergänzend, "Pausenaufsicht muss ich nicht machen."
Die Pause ist ein Schwerpunkt des Interesses der Schülervertretungen
seit Jahren. Wie man die Pausenbeschäftigung verbessern und sinnvoller
gestalten kann, beschäftigte ganze Schülergenerationen.
"Der Kicker klemmt", hört Michael Giebing dann und wann. Mitunter soll
er dafür sorgen, dass die Großen den Kleinen nicht immer den Ball
wegnehmen. Oder er hört Klagen über kaputte Dartpfeile. Manchmal soll
der Verbindungslehrer auch Geld wechseln. Das sind Kleinigkeiten am
Rande. Bei den Treffen mit der SV - etwa einmal im Monat - geht es ans
Eingemachte. Etwa darum, für welche Anschaffungen man Geld ausgeben
möchte.
Mit den 20 Cent pro Spiel, die in die drei Kicker an der Schule wandern,
bessert die SV ihre Kasse auf. 200 Euro pro Jahr haben die Schüler in
ihrem Etat. Billardtisch, Tischtennisplatten sowie Dartspiele gehören zu
den Errungenschaften an der Schule, für die sich die Schüler stark
gemacht haben. Eng wird mit dem Förderverein der Schule kooperiert, weil
der nämlich immer wieder finanzielle Spritzen leistet.
Giebing ist Mitglied der Schulkonferenz. Dazu gehören auch vier Schüler.
Gemeinsam mit der SV bereitet er sich auf die Konferenz vor. Giebing
bleibt selbst in Zeiten großer Hektik gelassen. Er ist jemand, der ein
breites Kreuz hat und gute Nerven. "Aber" , sagt ein Kollege, "er kann
auch durchaus mal laut werden." Das lässt Michael Giebing im Raum
stehen.
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