Übersicht 05/06

 
 01.10.2005
 

 
Lehrer des Vertrauens

Seit 20 Jahren wählen die Klassensprecher Michael Giebing

Heiden (hhk). Michael Giebing muss bei Schülern einen dicken Stein im Brett haben. Denn seit 20 Jahren (mit kleinen Unterbrechungen) wird er regelmäßig von den Klassensprechern an der Ludgerusschule zum Verbindungslehrer gewählt. „Ich mache das gern“, sagt er.

Die jüngste Wahl war im Juli. Nur die zwölf Klassensprecher durften wählen. Acht ihrer Stimmen fielen auf Giebing. Eine satte Mehrheit. Die übrigen vier Voten gingen auf das Konto von zwei anderen Kandidaten aus der Lehrerschaft. Die Wahl des Verbindungslehrers ist geheim. So will es das Schulmitwirkungsgesetz. Wahlleiter ist der Schulleiter.
Wer ist der Mann, der so beliebt ist bei den Schülern, der offenbar eine Antenne für ihre Anliegen hat? Bevor er Lehrer wurde, war Giebing Industriekaufmann. Dann sattelte er um. Der gebürtige Münsteraner studierte in der Westfalenmetropole. Seit 1979 unterrichtet Giebing an der Ludgerusschule.
Deutsch, Geschichte, Technik, Kunst, Erdkunde, Theater und Sport sind seine Fächer. "Das ist mein Traumberuf" , sagt Michael Giebing mit einem Lachen, während um ihn herum im Technikunterricht Achtklässler Schiffsmodelle und Quarzuhren schaffen.
Vielleicht spüren die Schüler, dass ihm besonders an Gerechtigkeit liegt. "Ungerechtigkeiten kann ich nicht leiden", sagt er frank und frei. „Alle sollen gleich behandelt werden", ist das Credo des Pädagogen.
Ein Verbindungslehrer zur Schülervertretung (SV) ist eigentlich immer im Dienst. In der Pause sprechen ihn die Schüler an und zwischen Tür und Angel. Geld gibt es für den Job nicht und keine Vergünstigung. "Doch", sagt Giebing ergänzend, "Pausenaufsicht muss ich nicht machen."
Die Pause ist ein Schwerpunkt des Interesses der Schülervertretungen seit Jahren. Wie man die Pausenbeschäftigung verbessern und sinnvoller gestalten kann, beschäftigte ganze Schülergenerationen.
"Der Kicker klemmt", hört Michael Giebing dann und wann. Mitunter soll er dafür sorgen, dass die Großen den Kleinen nicht immer den Ball wegnehmen. Oder er hört Klagen über kaputte Dartpfeile. Manchmal soll der Verbindungslehrer auch Geld wechseln. Das sind Kleinigkeiten am Rande. Bei den Treffen mit der SV - etwa einmal im Monat - geht es ans Eingemachte. Etwa darum, für welche Anschaffungen man Geld ausgeben möchte.
Mit den 20 Cent pro Spiel, die in die drei Kicker an der Schule wandern, bessert die SV ihre Kasse auf. 200 Euro pro Jahr haben die Schüler in ihrem Etat. Billardtisch, Tischtennisplatten sowie Dartspiele gehören zu den Errungenschaften an der Schule, für die sich die Schüler stark gemacht haben. Eng wird mit dem Förderverein der Schule kooperiert, weil der nämlich immer wieder finanzielle Spritzen leistet.
Giebing ist Mitglied der Schulkonferenz. Dazu gehören auch vier Schüler. Gemeinsam mit der SV bereitet er sich auf die Konferenz vor. Giebing bleibt selbst in Zeiten großer Hektik gelassen. Er ist jemand, der ein breites Kreuz hat und gute Nerven. "Aber" , sagt ein Kollege, "er kann auch durchaus mal laut werden." Das lässt Michael Giebing im Raum stehen.