Übersicht 05/06

 
 01.10.2005
 

 

Lehrer der Beratung
Gerd Hieronimus hilft an der Ludgerusschule Probleme lösen

Heiden (hhk). Wenn Gerd Hieronimus beim Dullen Dienstag unterwegs ist, sagen Ex-Schüler "Hallo" und bleiben zum Schwatz stehen. Schüler gratulieren zum Geburtstag, besuchten ihn sogar mal im Krankenhaus. Einige hat er als Beratungslehrer kennen gelernt.

Seit sechs Jahren macht er den Job und leistet Hilfestellung bei Schulproblemen. Die Aufgabe des Beratungslehrers hat Gerd Hieronimus übernommen, "weil mich das interessierte".
Beim Schulamt des Kreises Borken hat er sich dazu ausbilden lassen. Er war Teilnehmer des ersten Kurses, den der Kreis Borken rund 30 Pädagogen anbot. Kontakte zu den übrigen Teilnehmern hat der Heidener Beratungslehrer noch immer. Beratungslehrer tauschen sich aus.
Seine Gesprächspartner sind Eltern von Schülern, weil es Probleme gibt - innerhalb und außerhalb der Schule. Anlass können Konzentrationsstörungen beim Lern- und Arbeitsverhalten sein, oder anderes, das unter den Nägeln brennt. Einen Elternstammtisch hat der Pädagoge, der in Bochum geboren wurde und in Dortmund studiert hat, angeboten. Alle sechs bis acht Wochen trifft er Väter und Mütter in ungezwungener Atmosphäre - auch schon mal im Eiscafe oder in einem Gasthof.
Mit Schülern spricht er als Beratungslehrer, weil sie sich etwa falsch beurteilt oder sich nicht richtig verstanden fühlen.
Mit Kollegen oder Kolleginnen spricht der 55-Jährige seltener, wenn es etwa um eine Versetzung oder eine Abordnung geht. "Wir sind eine kleine Schule mit einem guten Ruf", betont der Lehrer. Sonst würden nicht so viele Zehntklässler in den heimischen Betrieben unterkommen. Es werde an der Schule besonders großer Wert auf die Bewerbung gelegt. "Bis zum Exzess", so der Lehrer, "wird das mit den Schülern geübt."
Mit der Arbeitswelt ist der Pädagoge vertraut. Vater und Großvater waren Maler und Anstreicher. Mit ihnen fuhr er zu Baustellen. Während des Studiums hat Hieronimus in den Semesterferien mit den verschiedensten Jobs Geld verdient. Er hat Waren ausgefahren, hat im Stahlwerk, in der Molkerei und im Holzwerk gejobbt. In den 90ern hat er als Lehrer auf der Baustelle ein Praktikum gemacht.
Im belehrenden Ton muss ein Beratungslehrer nicht auftreten, lautet das Selbstverständnis von Hieronimus. Schmerzhafte Wahrheiten traut er sich aber auszusprechen. Auch gegenüber den Eltern, wenn es sein muss. Angst vor persönlichen Nachteilen hat er nicht. "Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken", lautet seine Devise. Seine Gelassenheit habe sich mit den Jahren eingestellt, sagt Hieronimus, der seit 30 Jahren Lehrer ist.
Klare Worte fallen auch gegenüber den Schülern mit Blick auf die Jobsuche. "Wer sich nicht anstrengt, wird Probleme kriegen."
Der Heidener kümmert sich an der Ludgerusschule auch um die Streitschlichter im Wahlpflichtunterricht und in der Pause.
28 Stunden müsste Hieronimus an der Schule unterrichten. Weil er Beratungslehrer ist, muss er nur 26 Stunden Unterricht geben. Diese zusätzliche Zeit reiche kaum aus, meint er. Extra honoriert wird der Beraterjob nicht.