
Der Journalist Arnd Zickgraf berichtet im Bildungsportal des Schulministeriums NRW über die erfolgreiche Homepage der LSH: "Premiere: NRW-Hauptschule ist Gesamtsieger des Schulhomepage Awards 2009"
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Von Arnd Zickgraf

Die Ludgerusschule in Heiden ist die erste Hauptschule Deutschlands, die Gesamtsieger des Schulhomepage Awards 2009 geworden ist. Hauptschüler haben gemeinsam mit ihrem Lehrer die beste deutschsprachige Schulhomepage produziert. Der Schulhomepage Award ist ein Wettbewerb von Schulhomepage.de und des Softwarekonzerns Adobe. Der Initiator des renommierten Internetwettbewerbs verrät, was gute Schulhomepages auszeichnet und wie man Zehntausende von Besuchern im Monat auf die eigene Schulhomepage lotst.
Bill Gates, Mitbegründer des Microsoft-Konzerns, ist einer der reichsten Männer der Welt. Seine Software steckt in nahezu jedem PC. Gates begleitet auch die Benutzer der Internetseiten der Ludgerusschule in Heiden bei jedem ihrer Klicks – als Bild. Denn auf der Hintergrundgrafik der Homepage sieht man, wie der Software-Riese einem Schüler der Ludgerusschule einen Preis für die beste Internetseite beim Microsoft-Wettbewerb „Leben und Lernen in Europa“ überreicht und ihm dafür die Hand schüttelt. Das Foto wurde 2002 in München geschossen. Offenbar wirkt es wie eine positive Verstärkung auf die Schüler der Ludgerusschule fort, wie eine permanente Autosuggestion: „Wir können was!“
Und ob die Hauptschüler etwas können. Die Ludgerusschule in Heiden (LSH) ist auch die erste Hauptschule, die Sieger aller Kategorien beim Schulhomepage Award geworden ist. Die kleine Hauptschule mit nur rund 200 Schülern wurde am 26. März 2009 zum Gewinner des Wettbewerbs, an dem 378 Schulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen hatten. Alle Schulformen waren bei dem Wettbewerb um die beste deutschsprachige Schulhomepage vertreten. Wie David gegen Goliath verwies die an Schülerzahlen vier- bis fünfmal kleinere Ludgerusschule die Internetseiten des Walter-Gropius-Gymnasiums Selb, der Schillerschule Hannover, der Homepage des Gymnasiums Bocholt und des Gymnasiums Karlsbad auf die Plätze zwei bis fünf.
Sehr gute Beteiligung der Schüler bei der Gestaltung der Schulhomepage
Zu Beginn sah es gar nicht unbedingt nach einem Gesamtsieg für die Ludgerusschule aus. Denn die Gewinner des Awards werden stets in mehreren Schritten ermittelt. Zunächst meldeten sich alle teilnehmenden Schulen im Mitgliederbereich von Schulhomepage.de an. Dann bewerteten sich die am Schulhomepage Award teilnehmenden Schulen gegenseitig. Hierzu erhielt jeder Teilnehmer vom Ausrichter 100 Mitgliederstimmen und bekam außerdem zehn teilnehmende Schulhomepages zur Bewertung zugelost. Alle Teilnehmer verteilten dann ihre Mitgliederstimmen auf die Homepages, die ihnen am besten gefielen. Es entstand die vorläufige Topliste.
Schließlich begutachtete eine Jury, die aus dem Webmaster von Schulhomepage.de und einem Vertreter des Softwarekonzerns Adobe besteht, die 50 am höchsten bewerteten Homepages. In der vorläufigen Wertung landete die Ludgerusschule Ende Februar auf dem vierten Gesamtplatz und in der Kategorie der besten Hauptschulen bereits auf dem ersten. Am 26. März 2009 befand die Jury schließlich, dass die Ludgerusschule auf den 1. Gesamtplatz gehoben werden sollte. „Insgesamt ein super Internetauftritt“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Überzeugt hat beispielsweise:
„Man spürt, dass Schülerpower hinter dem Internetauftritt steckt“, meint Markus Dange, Gymnasiallehrer und Betreiber von Schulhomepage.de. Und weiter:„Es gibt eine Schülerfirma im Hintergrund, die halbprofessionell Internetseiten gestaltet“, ist sein Eindruck. Für den Konzern Adobe gab den Ausschlag, dass die Schulhomepage der Ludgerusschule „den Quellcode von der Datenmenge her möglichst klein gehalten hat“ und dass wiederkehrende Elemente der Homepage mit schnellem CSS statt mit datenraubenden HTML-Tabellen gestaltet wurden.

Arbeit an der eigenen Schulhomepage stärkt Wir-Gefühl
Der Schulleiter der Ludgerusschule, Norbert Konicek, zeigte sich „hocherfreut“, als er von der Auszeichnung erfuhr. Als kleine Schule stehe die LSH schließlich mit den größeren und weit besser ausgestatteten Gymnasien und Gesamtschulen in Konkurrenz. Er weist auch darauf hin, dass die Schule schon seit fast zwölf Jahren im Internet präsent ist und die Homepage dazu nutzt, das Image der Schule in der Öffentlichkeit zu pflegen und den Unterricht mit der Lebenswelt der Schüler zu verknüpfen. Informatikunterricht ist einer der Schwerpunkte der Hauptschule. Den Computerraum können die Hauptschüler dem Schulleiter zufolge auch am Nachmittag nutzen – vorausgesetzt sie unterzeichnen einen Vertrag, dass sie die technischen Geräte gut behandeln.
„Wir von der Schülerfirma Tipatoka sind sehr stolz, dass unsere Arbeit mit so einem Preis geehrt wurde“, sagen Dimitrij Jedich und Mario Lensing. Gemeinsam mit ihren Mitschülern gaben sie der alten Homepage der Ludgerusschule in einer halbjährigen Programmierarbeit ein „neues Gesicht“ – das Design, das sie zum Gesamtsieger machte. Der Relaunch, also die komplette Erneuerung der alten Internetseiten, war die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg beim Schulhomepage Award 2009. Aber auch die Fähigkeit der Schüler zur Kooperation. „Es ist immer wieder Teamwork gefragt und man lernt auch viel über die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten“, erläutern Jedich und Lensing. Die Schülerfirma Tipatoka konzentriert sich übrigens auf drei Geschäftsfelder: 1. Recycling von Tintenpatronen und Tonerkartuschen, 2. Hardware, 3. Programmierung von Homepages. Tipatoka hat außerdem einen virtuellen Rundgang durch das örtliche Rathaus gestaltet sowie die Internetauftritte der CDU Heiden, des lokalen Schützenvereins und des Pfarrcäcilienchors programmiert. Rund 1.000 Euro im Jahr verdient die Schülerfirma mit dieser Tätigkeit.
Doch eigentlich geht es weniger um den schnöden Mammon. Jedenfalls nicht aus Sicht von Ewald Meis, Lehrer für Mathematik und Geografie. Für ihn ist das Wir-Gefühl der eigentliche Wert des Tuns, „das Gemeinschaft stiftende Element, sich im Internet gemeinsam mit anderen selbst darzustellen zu können“, sagt der Lehrer. Die Schüler lieben es, sich selbst im Internet zu sehen. Hohe Besucherzahlen für die eigene Schulhomepage erwünscht? Dann müsse man nur möglichst rasch gemeinsame Erlebnisse, wie die Bilder der Klassenfahrt, ins Web stellen.

Technische Grundbildung für den Nachwuchs
Was eigentlich macht die Ludgerusschule zur besten Homepageschmiede Deutschlands? Ein technikbegeisterter Lehrer, der schon die „Goldgräberzeit des Internets“ mitgemacht hat, die Schülerfirma und ein Medienkonzept, das in einem Satz auf den Punkt gebracht werden kann: „Schule mittendrin“. Das Konzept sieht vor, dass Schüler der siebten Jahrgangsstufe den Informatikkurs als Wahlpflichtfach belegen und die Fähigkeit erwerben, kritisch mit dem neuen Medium umzugehen. Im Zuge dieser Grundbildung wird der Nachwuchs für die eigene Schulhomepage herangezogen. Er erhält eine informationstechnische Grundbildung während der Orientierungsstufe und intensiviert diese innerhalb des Wahlpflichtfachs ab der Jahrgangsstufe sieben.
Zwischen 10 und 20 Schülern arbeiten regelmäßig an der Schulhomepage mit, so Meis. Mädchen sind auch dabei. „Diese sind oft federführend bei der Erstellung von Artikeln, weil sie in der Regel sorgfältiger arbeiten als Jungen“, erläutert der Lehrer. „Schule mittendrin“ bedeutet auch, dass sich die Schule zu Kooperationspartnern nach außen öffnet, um beispielsweise Bezüge zur Lebens- und Alltagswelt herzustellen und erste Einblicke in die Arbeitswelt zu geben. Doch das treueste Publikum einer Schulhomepage sind immer noch die Schüler selbst einschließlich ihrer Eltern. Viele Eltern gehen schon deshalb ins Internet, um auf der Schulhomepage zu sehen, was ihre Kinder alles auf die Beine stellen. Nicht zuletzt mit diesem Stammpublikum ist es selbst für kleinere Schulen möglich, so der Webmaster von Schulhomepage.de, recht schnell 10.000 bis 15.000 Besucher im Monat anzulocken.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: http://www.schulhomepage.de/ und http://www.ludgerusschule.de/
(C) Ludgerusschule Heiden, 46359 Heiden, Tel.: 02867 - 975050, Fax: - 9750522, Mail:
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