Der Klingel-Kodex

In Rheine einigen sich Schulen und Schüler auf Regeln im Umgang mit dem Handy

Von Klaus Dierkes


Mickie Krause steht Pate: Der Schlagerstar (r.) hat die Schirmherrschaft über die Handy-Ordnung in Rheine übernommen. Foto: (Klaus Dierkes)

Rheine. Eigentlich sind Handys ja zum Telefonieren gedacht. Jugendliche haben aber oft noch ganz andere Verwendungen für die multimedialen Alleskönner: raubkopierte Musik hören, Gewaltvideos tauschen, Mitschüler verprügeln und das filmen, peinliche Fotos ins Internet stellen und andere unschöne Dinge. Vielfach ist ein geordneter Schulunterricht kaum noch möglich, weil immer irgendwo etwas klingelt oder piept. Einige Schulen haben inzwischen die Notbremse gezogen und verbieten Handys ganz auf dem Schulgelände.

Die Stadt Rheine geht hier einen neuen Weg: Als erste Kommune in NRW stellte sie gestern eine Handyordnung für Schulen vor, an der Schüler selbst mitgearbeitet haben. So soll die Akzeptanz bei den Schülern erhöht werden. Die neue Handyordnung erlaubt zum Beispiel das Musikhören auf dem Handy in den Pausen, im Unterricht bleibt das Handy aber ausgeschaltet.

Als Schirmherr wurde Mickie Krause aus Wettringen gewonnen. Der beliebte Schlagersänger, der mit Songs wie „Zehn nackte Friseusen“ inzwischen nicht nur am „Ballermann“ auf Mallorca Kultstatus genießt, ist selbst ein Handy-Geschädigter. „Wenn ich dienstags auf Mallorca auftrete, dann sind die Videos davon mittwochs im Internet. Und meinen neuesten Song, der erst in vier Wochen rauskommt, kann man jetzt schon überall runterladen. Deshalb fand ich die Idee einer Handyordnung auch sofort Klasse“, sagte Krause gestern bei der Präsentation des von einer gemischten Arbeitsgruppe aus Schülern, Lehrern, Sozialar­beitern und Polizisten erarbeiteten „Handy-Knigges“.

Den Begriff „Handy-Knigge“ hört Kriminalhauptkommissar Guido Wilke, der viele Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt hat, nicht so gern. „Es geht hier nicht um gutes Benehmen, sondern um verbindliche Regeln, um Schüler vor Straftaten zu bewahren. Wir sprechen daher lieber von einer Handyordnung. Vielen Schülern ist gar nicht klar, dass sie sich strafbar machen, wenn sie sich gegenseitig Gewaltvideos oder raubkopierte Musik aufs Handy schicken“, sagte Wilke. Und die Eltern haben oft keine Ahnung, „was ihre Kinder mit ihrem Handy so alles anstellen.“

Quelle: Borkener Zeitung, 13. Juni 2009

Download der Handy-Ordnung als PDF-Datei


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