
Mit Sorge betrachtet wird zurzeit in der Ludgerusschule die Entwicklung im Bereich Sozialarbeit. Zwar wird von allen Seiten - vor allem von den beteiligten Schulen, wie auch von der LSH - betont, dass die Sozialarbeit an den Schulen nach dem Isselburger Modell unverzichtbar geworden ist, aber die aktuelle Diskussion lässt Zweifel aufkommen.
So kann mann im Bocholter-Borkener-Volksblatt vom 17. März den folgenden Artikel lesen:
VON KATJA FISCHBORN
Mit dem "Isselburger Modell" war die Sozialarbeit an der Strombergschule ein Vorreiter. Die Finanzierung einer halben Stelle teilten sich Kreis und Kommune. Der Jugendhilfeausschuss des Kreises beschloss nun mehrheitlich, dass ab dem Sommer der Schulträger alles zahlen soll.
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Schulsozialarbeit
Auch an den Hauptschulen in Raesfeld, Heiden, Südlohn, Legden, Vreden und Velen-Ramsdorf läuft die Schulsozialarbeit nach dem Isselburger Modell. In Reken und Rhede hat dagegen das DRK als freier Träger die Sozialarbeit übernommen. Doch dies hat der Kreis mitfinanziert, so sind sie von der Entscheidung ebenfalls betroffen. Die Schule in Heek hat das Projekt wegen großer Divergenzen abgebrochen. Eine Ausnahme bilden lediglich Gescher und Stadtlohn: Deren Schulsozialarbeit wird derzeit vom Land NRW finanziert.
ISSELBURG/BORKEN Sozialarbeit an Schulen ist gut und wichtig, ein "unverzichtbarer Bestandteil". Das schreibt zumindest Prof. Ursula Nölle von der Katholischen Fachhochschule Münster in ihrer Evaluation zum Thema "Standortbestimmung Schulsozialarbeit im Kreis Borken", zu der sie vom Kreis beauftragt wurde. Das sehen die Beteiligten einstimmig so, doch wer soll bezahlen? Das entschied jetzt der Jugendhilfeausschuss des Kreises: Die Finanzierung soll ab dem 1. Juli 2009 der Schulträger zu 100 Prozent übernehmen.
Für einige kam dies überraschend. So auch für Helmut Kottke, Schulleiter der Isselburger Hauptschule. Hier startete vor gut acht Jahren das erste Modellprojekt mit einer Laufzeit von drei Jahren. Das Schlagwort hieß Prävention. Außerdem sollte über die Anbindung an die Schule ein direkterer Zugang zu den Problemen von Kindern und ihren Eltern geschaffen werden, eng verzahnt mit der Jugendhilfe des Kreises. Nach dem Erfolg von Isselburg begannen weitere Hauptschulen mit der Schulsozialarbeit.
Bislang erbrachten die Stadt als Schulträger und der Kreis jeweils die Leistungen für eine Viertelstelle. Das sind etwa 12 bis 13000 Euro Personalkosten im Jahr, erklärt Isselburgs Schulamtsleiter Heinz Hetkamp. Macht zusammen eine halbe Stelle – eigentlich zu wenig, sagt Schulleiter Kottke. Vor allem, da die Haupt- und Realschule zum Beginn des neuen Schuljahrs im Verbund starten. "Eigentlich hatte ich schon überlegt, das Angebot auszuweiten", so Kottke.
Stattdessen muss er nun bangen, wie es weitergeht. Denn die Finanzlage der Stadt sieht nicht gerade rosig aus. Wenn der Kreis ab Juli nicht mehr zahlt, muss nun die Politik entscheiden, wie es weitergehen soll. Eine volle Stelle koste 50 bis 60000 Euro, gibt Hetkamp zu bedenken.
Mal abgesehen von diesem Problem ärgert Kottke am meisten, dass nach so vielen Jahren das Isselburger Modell "kaputt gemacht" werde. Ein wichtiger Eckpfeiler des Ganzen sei gerade die Tatsache gewesen, dass nicht er der Vorgesetzte des Schulsozialarbeiters gewesen sei, sondern der Kreis. "Es ist wichtig, dass die Schüler das Vertrauen haben, dass nichts von dem, was sie dem Sozialarbeiter anvertrauen, mir oder dem Kollegium weitergetragen wird", betont Kottke. Die mehrheitliche politische Entscheidung im Jugendhilfeausschuss sei sehr kurzsichtig. Dabei zeigten doch gerade solche Ereignisse wie der Amoklauf in Winnenden, wie sinnvoll Schulsozialarbeit sei.
Die Verlagerung der Finanzierung sei keine Sparmaßnahme des Kreises, sagt Kreisdirektor Werner Haßenkamp. Doch seien die Schulen und die Sozialräume überall unterschiedlich, und es seien eben nicht alle bereit, über die Kreisumlage die Schulsozialarbeit bei anderen mitzufinanzieren. Er weiß auch um das empfindliche Thema Datenschutz. Doch auch wenn künftig die Schulsozialarbeiter nicht mehr beim Kreis angestellt sind, soll die Jugendhilfe dank eigens geschlossener Vereinbarungen dennoch von den Erfahrungen vor Ort wissen und entsprechend zusammenarbeiten. "Die Ausrichtung soll aber künftig mehr in Richtung Schule gehen", so Haßenkamp. Außerdem soll ein Gleichgewicht zwischen den Beratungen in Einzelfällen und einer eher sozialpädagogischen Arbeit mit Projekten hergestellt werden.
In Isselburg hat erst im Februar Katharina Hinzelmann ihre Stelle als neue Schulsozialarbeiterin angetreten. Kottke will sie unbedingt behalten und die Arbeit fortsetzen. "Aber das Projekt ist trotzdem gestorben", sagt er enttäuscht.
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