Von Dorle Neumann
Münster/Kiel - Was die schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf scheut wie der Teufel das Weihwasser, ist für die schwarz-rote Koalition in Schleswig-Holstein ein zukunftsweisendes Konzept: „Gemeinschaftsschulen“.
Die Regierung im Land zwischen den Meeren wird zum Schuljahr 2009/10 weitere Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen an den Start gehen lassen. „Wir genehmigen 41 Gemeinschaftsschulen und 22 Regionalschulen“, erklärte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) vor Kurzem in Kiel. Sie lobte in einer Pressemitteilung vor allem die pädagogischen Konzepte der beantragenden Schulen. Die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort hätten sich offensichtlich intensiv Gedanken darüber gemacht, wie sie alle Schülerinnen und Schüler optimal fördern können.
„Eines wird sehr deutlich: Städte, Gemeinden, Schulverbände und Kreise im ganzen Land arbeiten gemeinsam mit allen Beteiligten an einem möglichst attraktiven Bildungsangebot - auch um ihren Standort insgesamt zu stärken und fit für die Zukunft zu machen“, so Erdsiek-Rave in der Mitteilung.
Hintergrund der Entwicklung in Schleswig-Holstein ist der „Untergang“ der Hauptschulen gewesen, die aus Mangel an Anmeldungen immer häufiger in Existenznot gerieten. Eine Tendenz, die NRW durchaus bekannt ist - hierzulande ist die Antwort darauf eine Ganztags- und Qualitätsoffensive, die beispielsweise an einigen Hauptschulen im Münsterland für noch stabile Schülerzahlen sorgt.
In Schleswig-Holstein hat sich die Bildungslandschaft in den drei Jahren seit der Freigabe der Gemeinschaftsschule rasant geändert. Die Zahl der durchweg integrierten Gemeinschaftsschulen erreicht demnach im Schuljahr 2009/10 mit 96 annähernd die Zahl der Gymnasien. Nur noch rund ein Viertel der ursprünglichen Haupt- und Realschulen ist noch nicht umgewandelt worden.
Nach Ansicht des „geistigen Vaters“ der Gemeinschaftsschulen, des Dortmunder Schulforschers Ernst Rösner, ist damit auch eine erstaunliche Veränderung in der Einstellung zu Schulstrukturen zu beobachten. Da Gemeinschaftsschulen, so Rösner, nur auf Antrag der Schulträger genehmigt werden, müsse sich „im Zeitraffertempo und parteiübergreifend“ die neue Haltung zur Schulstruktur gebildet haben.
Der Blick nach Norden zeige zudem, dass, dass - anders als in der Startphase der Gemeinschaftsschulen - diese neue Schulform nicht mehr vorwiegend zur Verbesserung der Schulversorgung in ländlichen Regionen betrachtet werde, betont Rösner gegenüber unserer Zeitung. Vielmehr gelte sie offenbar auch in den größeren Städten als pädagogisch begründbare Alternative zu den traditionellen Angebotsformen.
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Quelle: Borkener Zeitung, 03.03.2009
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