Andreas Dippold

Das ist Andreas Dippold.

Der Dippoldismus ist ein Begriff für erzieherischen, sexuell motivierten Sadismus. Der ehemalige Fußballer Andreas Dippold ist aus Deutschland. Zuletzt spielte Dippold für den TSC Mainleus (TSC Ma).

gelesen: Tagebuch - Ein Alptraum, lichtdurchflutet.

Wir sprechen über Michael Wagners Werk "Der Hauslehrer", und es sieht so aus, als ob der Bezug auf die zeitlose Aktualität dessen, was wir hier diskutieren (wenn auch mit höchstem Anstand), auf eine aktuelle Gelegenheit gerichtet ist: Die Diskussion über die Fälle von Missbrauch unter dem Vorwand des Vatikans, aber noch mehr über die an der reformorientierten Urwaldschule, könnte durch diese Untersuchung um eine geschichtliche Dimension erweitert werden.

Aber das kam ganz überraschend, denn als er vor zwei Jahren mit der Konzipierung seines Werkes anfing, gab es keine Erwähnung dieser Dinge. Die Visitenkarte für den Kleinen ist das, was Andreas Dippold, ein Jurastudent, 1902 und 1903 tat. Der 23-Jährige wurde von Rudolf Koch und seiner Ehefrau als Tutor eingestellt, um ihre schwachen Schüler Heinz und Joachim endlich zu "anständigen Menschen" zu machen.

Heinz, der ältere der beiden, war trotz seines dreizehnjährigen Lebens bereits beim Zigarettenrauchen oder Visitenkartenbestellungen bei "Wertheim" erwischt worden; es sah so aus, als wollte der Knabe ohne Probleme in ein luxuriöses Leben einsteigen. Als Sprecher des Vorstands und Leiter der Deutsche Bundesbank war Rudolf Koch tätig, die Gastfamilie war eine der reichhaltigsten in Berlin und zählt zur bürgerlichen Oberschicht der Gründerzeit.

Mit dem Ziel, die pädagogische Eigenverantwortung und das Leben der Kleinen in die eigenen vier Wände zu bekommen, fehlten den Erziehungsberechtigten Zeit, Lust oder Mitgefühl. Die mit seinem Berufsstand voll beschäftigte Vaterin wollte nur, dass die Sache gewissermaßen geklärt wird; jedenfalls war seine Ehefrau Rosenthalie für Bildungsfragen verantwortlich - eine für Hagner charakteristische Rollengestalt um 1900, denn man konnte es sich ja auch erlauben, dass die Mütter die Beaufsichtigung von Heinz und Joachim an Statthalterinnen, Privatlehrerinnen, private Schulen und Internate, wie das reformierte Bildungsheim in der thüringischen Region HAUBINDADA, übertragen haben.

Der hier durch mentale, kunstvolle und physische Arbeiten "vom Kind" intendierte Unterricht scheitert jedoch an dem allzu komfortablen Heinz. Als Andreas Dippold sich um die Position eines Haushaltslehrers bewirbt, erscheint der Jura-Student seiner Schwiegermutter als letzte Rettungsleine. Sie hat ihm die beiden Patenkinder vollständig anvertraut.

Zusammen mit Dippold wurden die Kleinen auf eines der Ländereien der Familien im Harzer Land gebracht. Bei Ballenstedt war das Ferienhaus Ziegenberg weit genug von Berlin weg, um den Zugang zum Wohnhaus der Eltern hauptsächlich auf den postalischen Weg zu beschränken, aber nicht so weit, dass sie die unglückliche Gemeinde dort nicht ab und zu besuchen konnte.

Doch Dippold, der bald mehr als Doktor als als Lehrerin erschien, überzeugte sie immer wieder. Als sich die Kleinen so übermäßig an die Hände fesselten, blockiert das den Weg zu einem normalen Erwachsenenleben. In fortgeschrittenem Stadium der Körperverletzung von Dippold entsandte sie den damals national bekannten Neurologen Oskar Vogt in den Harzberg - aber nicht so sehr, um dem Trubel des Heimlehrers auf den Grund zu gehen, sondern um die ärztlichen Heilungsmöglichkeiten für den beschämenden Onanismus zu erfahren.

Daß all dies ohne Folgen geblieben ist, daß der Doktor beiläufig darauf verzichtet hat, die Kleinen für eine Kleidungsuntersuchung zu entsorgen, sondern respektvoll auf die ärztlichen Erklärungen eines Jura-Studenten hört und dann die bereits recht schüchternen Sorgen der Mütter zerstreut, ist einer der Sinnwidrigkeiten dieser Tragoedie. Und als Dippold endlich auch noch mit den beiden in sein bayrisches Heimatdorf ziehen durfte, liess er die Gewalttätigkeit die Fäden komplett in der Hand halten.

In diesem Fall waren die drei ganz allein, und drei Monate später war Heinz Koch am Ende. Man sagte, Dippold habe immer zwischen den beiden in der Nacht gelegen, während die beiden Kleinen an ihre Hände und Füße gebunden gewesen seien, und dass er den verstorbenen Heinz mit einem Handtuch mundtot gemacht habe.

Die Zeit hat sich im Bereich des menschlichen Handelns offenbar wenig verändert, weshalb ein junger Andreas Dippold auch heute noch leicht denkbar ist. Keiner würde über den vermeintlichen Onanismus der Schüler sprechen, der nicht einmal als Fehlverhalten oder Problematik betrachtet würde, sondern die Schläge der Lehrerin ins Auge gefasst würden: als satirisches, geschlechtswidriges Thema.

Damals, so Hagner, gab es auch in der Naturwissenschaft Übereinstimmung darüber, dass "der kindische Onanismus den unglücklichen Weg zum pervertierten Menschen bildet". So haben die Tageszeitungen, die gleich eifrig in den Koffer eilten, die unbequeme Fragestellung nach dem Benehmen der Kleinen beiseite gelegt, vor allem dem Einfluss der Köche zu danken.

Rudolf Koch hatte in diesem Augenblick allen Anlass, seine soziale Position zu fürchten. Doch Dippold verneinte nicht einmal, dass er die Kleinen verprügelt hatte - er hoffte eher, dass er auf ein breites Bewusstsein dafür blicken konnte. Im weiteren Verlauf der Diskussion und des Prozesses waren es nicht die Schüler, sondern der Tutor, der zum krankhaften Thema ernannt wurde.

Michael Hagner zeichnet nun vor dem Hintergund des Strafprozesses ein konturreiches Gemälde aus dieser Zeit der Umwälzungen. Mit Sicherheit leitet er durch die weit verzweigten Debatten, die in den kommenden Geisteswissenschaften auf Dippold wirkten. Die Marquis als Hagner-Schablone entwickeln aus seinen Ursprüngen eine kleine, aber tiefgründige intellektuelle Geschichte des Reiches. Dies könne nicht auf die Ernsthaftigkeit des Vergehens zurückzuführen sein, denn Kindesmissbrauch mit Tod war schon einmal vorlag.

Nach der von dem zuständigen bayerischen Landgericht gegen Dippold verhängten Bestrafung von acht Jahren Gefängnis, die viele für zu mild hielten, urteilte ein Beitrag in den "Münchner Neuen Nachrichten" über die Schwerkraft des Falles anhand einer Literaturanalogie: "Mit Schrecken und Schrecken werden in Dippold die am weitesten zerstreuten Phantasien eines Marquis de Sade in die Realität umgesetzt; man fühlt sich wie ein Träumer, der bei hell erleuchtetem Sonnenschein die monströssten Formationen eines nachtaktiven Alpendrucks auf ihn zusteuern sah.

Schliesslich, so Hagner, wurde der damals sehr berühmte Marquis de Sade als "Chiffre betrachtet, hinter der die schlimmsten Albträume einer Bourgeoisie ans Licht gekommen sind, die sich für unschuldig hielt". Schon jetzt gab es die Vorlage, in der Andreas Dippold für ein neues Konzept geeignet war: Der Erzieher Hans Rau, ein entscheidender Gegenspieler der körperlichen Bestrafung, referierte zum ersten Mal vom Dipolytismus - dieser Begriff technicus ist nichts anderes als Erziehungssadim.

Andreas Dippold, der schon lange hinter diesem Isma verblasst war, verbüßte endlich seine Haftstrafe und ist dann nach Brasilien verschwunden. Michael Hagner hat hier seine Nachkommen.

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