Angst vor der Uni

Collegeophobie

Das erste Mal ist die Universität eine neue Umgebung, ein neuer Bedarf, ein neuer alles. Prognosen für neue Studenten: Angst vor der Universität Der Rekord von über 400.000 Studienanfängern verbirgt die Tatsache, dass immer weniger Schulabgänger an die Universität gehen wollen. Zu Beginn des neuen Sommersemesters morgen, dem sogenannten Wintersemester, werden in Deutschland mehr Erstsemester als je zuvor erwartet: Die Rekordberichte über den Erstsemesterboom verbergen jedoch, dass gleichzeitig immer mehr Jugendliche ihr Studieren aufgeben - insbesondere Jugendliche und Schulabgänger innen mit einfachem Hintergrund.

Im Jahr 2008 schlossen knapp 20 Prozentpunkte mehr Jugendliche mit Reife oder FH die Schulzeit ab als 2003, allerdings nahm die Anzahl der Berufseinsteiger im selben Jahr nur um 2,4 Prozentpunkte zu. In regelmässigen Umfragen erwähnen Schulabgänger ungewisse Berufsaussichten, aber auch Unsicherheiten über die eigene Finanzierung der Schüler.

Schulabgänger aus armen und bildungsbenachteiligten Elternschulen sind viel wahrscheinlicher als ihre Kollegen aus Akademiefamilien, aufzugeben. Außerdem halten sich weit mehr Jugendliche als jüngere Menschen von der Universität fern. Nie zuvor waren Informationsmängel, Orientierungsprobleme auf der einen Seite und Ungewissheiten über die Bedeutung und den Nutzen einer schulischen Bildung auf der anderen Seite so weit verbreitet wie heute, so eine Gruppe von Autoren für den Schulzeugnisbericht des Bundes und der Bundesländer.

Der Abiturient und seine Erziehungsberechtigten konnten sich in der Vergangenheit auf Erfahrungen aus den bisherigen Strukturen des Studiums stützen, die beruflichen Perspektiven der Bachelor-Absolventen sind jedoch noch ungeklärt. Darüber hinaus hat sich bei den Schulabgängern seit langem rumgesprochen, dass der Bachelorstudiengang mit seinem materiellen Reichtum, seiner Anwesenheitspflicht und seinen engen Zeitplänen kaum Zeit für Nebenjobs läßt.

Auf ihrer Sitzung im November soll die Behebung unerwünschter Entwicklungen einleiten. Unter denjenigen, die 2008 die High School abgeschlossen haben, erklärten 27 Prozentpunkte, dass sie nicht studieren wollten. Schon in den 1980er und frühen 1990er Jahren wurden Studienraten zwischen 80 und 90 Prozentpunkten als normal angesehen. Noch heute erwarten die Bildungs- und Kulturminister eine Quotenquote von bestenfalls 75 vH.

Tatsächlich hört es sich riesig an, wenn die Bildungsminister in ihrer Prognoserechnung für 2013 rund 425.000 Studienanfängerinnen und -anfänger vorhersagen. Aber wenn die Auswirkungen der Verkürzung der Schulzeit verpuffen, werden Erstsemester in ganz Deutschland zu einer Seltenheit werden. Die Bildungsforscherin Klaus Klemm berechnet mit Rücksicht auf die nachfolgenden geburtsarmen Kohorten, dass mit der staatlich angepeilten Studienquote von 40 Prozentpunkten einer Kohorte ab etwa der Hälfte des nÃ??chsten Jahrzehntes rund 70.000 StudienplÃ?tze mangels Bewerbungen nicht mehr besetzt werden konnten - Stellen, die die Bundesregierung und die Landesregierungen mit dem Hochschulpakt nur um viel betÃ?ubt aufgebaut haben.

Alleine in den kommenden fünf Jahren werden 330.000 Wissenschaftler in Deutschland altersbedingt in den Ruhestand gehen.

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