Internat in Berlin

Schulinternat in Berlin

In der Schule zu Hause: Internate. Schulinternat statt Heim - Gastfamilie "Das Stehen war noch nie mein Thema, ich bin gerade hellwach", sagt Oskar. Der Frühstücks-Gong erklingt um sieben Uhr, dann steht Oskar auf seinem Sitzplatz im Speisesaal und redet täglich "Good Morning" im Refrain mit den anderen Internatsstudenten. Das Internat bei der Queen Luise Foundation in Dahlem wird vom Jugendamt mitfinanziert.

So hat Oskar das attention deficit syndrome ADHS, seine Lehrkräfte an der damaligen Hochschule konnten den starken Konzentrationsmangel nicht verkraften und selbst seine alleinerziehene Mütter waren überwältigt. Er ist seit sieben Jahren im Internat, und jetzt ist es das "echte" Dasein. Darauf wartet Oskar schon, auch wenn es ihm schwierig ist, sich zu verabschieden: "Ich will endlich auf eigenen Füßen dastehen, immerhin werde ich bald 18 Jahre alt sein. 80 von 60 Boarding-Plätzen in der Queen Luise Foundation werden von den Jugendamt bezahlt.

Lediglich 20 Prozentpunkte der Schülerinnen und Schüler sind so genannte Self-Payer. Für die Unterkunft müssen die Erziehungsberechtigten 1670 EUR pro Monat bezahlen. In den letzten Jahren ist der Prozentsatz der Fälle von Jugendhilfe stetig angestiegen. Bei der Queen Luise Foundation gab es in den 1970er Jahren zweimal so viele selbst bezahlte Internatsstudenten. Zu dieser Zeit war die Gründung eine Besonderheit, die Schulen wurden allgemein als Eliteeinrichtungen für wohlhabende Angehörige angesehen.

Immer häufiger verdrängen Internate an privaten Schulen die stationären Unterkünfte von Kinder und Jugendliche in Heimen. Die Queen Luise Foundation ist als Mitglieder des Diakoniewerks eine renommierte Einrichtung der Jugendhilfe. "â??Wir sind keine private Schule im klassischem Sinneâ??, so Internatsdirektorin Heidi Kong, die das Besondere sorgsam zu umschreiben unternimmt. Einige der Internatskinder kommen aus gebrochenen Elternhäusern, mehr als die Hälfe der Erziehungsberechtigten sind Alleinerziehende.

Lediglich fünf Prozentpunkte der jungen Menschen fallen aus der Jugendhilfe aus, alle, die dabei sind, absolvieren hier ihren Abschluss. Ein Internatsort ist für den Elternteil viel leichter zu übernehmen als ein Haus. "Manch einer befürchtet, dass ein Heimaufenthalt seine Schützlinge für den Rest ihres Lebens brandmarken könnte", sagt Heidi Kong. Dagegen ist das Internatsverhalten an einer traditionellen Privatseminarschule in Zehlendorf recht mäßig.

Auch die Erziehungsberechtigten mussten die Kleinen nicht übergeben. Es wird der Umgang mit den Gastfamilien gefördert, am Wochende sind die meisten Familienmitglieder zuhaus. Aber auch die Kleinen würden sich nicht ausweisen. Hier wohnen die Jugendarbeitsfälle unter einem gemeinsamen Haus mit Schülern aus sehr geschützten oder vermögenden Elternhäusern.

"Es gibt überraschend wenig Konfliktpunkte zwischen zwei Welten", sagt Heidi Kong. Auch wenn es unter den Schülerinnen und Schülern im Internat kein Geheimtipp ist, wer privat bezahlt und vom Jugendämter hier überwiesen wurde, gibt es kaum Angst vor Kontakt oder Vorbehalten zwischen ihnen. Teilweise sind die selbstzahlenden Kinder gar eifersüchtig auf die anderen, weil sie z.B. regelmässig ihr Geld von der Jugendarbeit erhalten, während die Familien der privaten Zahler das Geld bei schlechter Benotung stornieren möchten.

"Sie sind aber auch für den gesellschaftlichen Bildungsprozess wichtig", sagt der Internatsleiter. Sechs bis acht junge Menschen wohnen in jeder Wohnanlage mit einer Gemeinschaftswaschküche, einer Wohnküche und einem Aufenthaltsraum. "Junge Menschen müssen erlernen, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und Kompromißlösungen zu finden", sagt Heidi Kong. "â??Die Kleinen benötigen und fÃ?hren die entsprechenden Traditionen wie die MorgengrÃ?sse im FrÃ?hstÃ?cksraumâ??, sagt der Internatsleiter.

Am liebsten trinkt Oskar am Morgen seinen Kaffe und beginnt dann den Tag erholt. Er wird das verpassen, sagt Oskar. Trotzdem will er unabhängig voneinander wohnen, aus der abgeschirmten Umgebung des Schulinternats. Mindestens für ein Jahr will Oskar die Arbeit machen und etwas Gutes ausrichten. Einer der Hauptgründe dafür war der individuelle Unterricht, den Oskar in diesem Jahr in einigen Bereichen erfährt.

Der gleichaltrige Klassenkamerad Niklas besucht bereits das Oberschulalter der Queen Luise Foundation. Er war auch ein halbes Jahr lang im Internat. Die Integrativität steht in der Überlieferung der Queen Luise Foundation, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiern wird. "Wir werden das allen Erziehungsberechtigten in den Interviews erzählen. Dabei sind wir keine Spitzenschule, nicht nur in Deutschland, sondern ganz Berlin zeigt sich hier", sagt Jens Stiller, Gymnasialleiter.

"Aus pädagogischer Sicht ist es sehr wichtig, wenn die Kleinen lernten, Klassenkameraden aus schwierigem Umfeld zu integrieren", sagt Claudia Branz, Vertreterin der Eltern. Wächst ein Kind in einem vollständig abgeschirmten Zimmer auf, ist es kaum auf die Situation in der ganzen Weltgeschichte eingestellt, sagt die Frau, deren Tocher die Oberschule der Queen Luise Foundation besuchte. Darüber hinaus können alle Jugendlichen, nicht nur die Fälle der Jugendhilfe, von dem Netz aus Ergotherapeuten, Pädagogen und Soziopädagogen mitwirken.

Später will Oskar dann auch noch Physik erlernen.

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