Konzertverein Ingolstadt

Ingolstädter Konzertvereinigung

Großer Kammerabend mit dem Quatuor Voce im Konzertverein Ingolstadt Dieses 1876 geschriebene Stück, das in Frankreich nur begründende ist, weicht sehr stark von einer Brahms-Sonate ab. Das war auch beabsichtigt, denn nach dem verschollenen Weltkrieg wollten sich die Franzosen Künstler deutlich von Deutschland trennen. In der Interaktion kommen die teilweise komplizierten Zyklen so natürlich an wie die Bewegungsabläufe eines einzelnen weichen Körpers.

Es handelt sich bei dem Stück, op. 21 von Ernest Chausson, um ein wahres Geigenkonzert - nur mit Pianoquintett anstelle von Klavier. Natürlich steht es in der französischen Kammermustradition, aber Chausson war Wagners genug, um es mit bedeutungsgeladenem Pythos (bereits im dreitönigen Slogan enthalten) und chromatierten Obertönen zu germanisieren. Der finstere Kern des Konzertes ist ein trauriges Grab, das, um einen trostlos kreisenden Osterstinato herum, verblüffend aktuell klingt:

Mit einer großen charismatischen Handbewegung dominiert der Komponist Albrecht Breuniger das Geschehen, eine Soloaufführung wie unter Orchesterbühne. Eine grandiose, enthusiastisch applaudierte Veranstaltung mit fantastischen Erlebnissen.

Dr. Reinhard Goebel leitet die Bayrische Philharmonie.

Für des Konzertvereins Ingolstadt steht er auf dem Podium vor der Augsburger Bayrischen Kammermusikharmonie, die sich in einer kleinen Streichbesetzung wirklich wie ein Kammermusiker verhält, getrieben von Goebels feinfühlig elektrischen Reizen. Fast unter Anspannung steht der Mann mit präzise fastenden Armstellungen, immer auf Kontrasten, Akzenten, plötzlichem Einsätze lauern, die dann mit dem Stabspunkt aufgespiet sind - quasi genau.

All dies paßt perfekt zur musikalischen Gestaltung der "Bach Söhne", der das Progamm gewidmet ist. Dabei ist es die Verabschiedung von Galantismus, Nationalsozialismus, Barock and Roboko, die nicht mehr mit gefälligen Gesang und standardisierten Wirkungen aufwarten will. Die sensible Zeit ist da: Gefühle, Vorstellungen blicken nicht mehr um höfische Kontenance herum, sondern entstehen in ständigen Veränderungen und Kontraste, ausdrucksstark, drastisch, manchmal sogar atypisch.

Du musst sehr munter sein, um den engstirnigen, satzstichig technisch nicht sehr tiefen Ereignissen zu folge, was bei dieser Art des Spiels wirklich Spaß macht. Im Mittelpunkt des Interesses stehen neben zwei Symphonien von Johann Christoph Friedrich und Wilhelm Friedemann zwei Violinkonzerte von Carl Philipp Emanuel Bach. Mit Bruno Delepelaire, dem ersten Solo-Cellisten der Berlinischen Philarmoniker, waren sie in den besten Händen.

Verblüffend, wie einfach, präzise und lebhaft sich alle Läufe, Arpeggios, Trödel und Figuren rüberkamen, obwohl Göbel natürlich nicht gerade gemächliche Tempi Läufe. Dann scurrten die Zeigefinger über das Fingerbrett, dass man ihnen kaum nachgehen konnte - und, wie gesagt, die Interpretationen blieben immer kontrollierbar und musikantisch. Delepelaire formulierte auch die melodiösen und ausdrucksstarken Stellen mit einem leichten, anmutigen Klang, obwohl sich die Expressivität doch durchsetzte.

Insbesondere im berühmten a-Moll-Konzert, das natürlich nicht verpassen sollte, machte er eine so schillernde Gestalt gegen das aufgeregte, dreistimmige Symphonieorchester. Ungeachtet der kleinen Aufstellung und ohne Hammer-On-Effekte erhielt die Deutung eine gewaltige Ausstrahlung. Das Konzert im Endspiel war so aufregend wie große Rallyes in einem Tennispiel.

Bachs alter Pater ist immer wieder begeistert.

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