Lerntherapeutische Praxis

Lernende therapeutische Praxis

Fallstricke der Praxis der Traumatherapie Frau JOHANNA SCHWETZ-WÜRTH: Sehr geehrte Michaela, ich möchte unser Thema unter den Titel: "Die Fallstricke der Traumatherapiepraxis " einordnen. Viele psychotherapeutische Kollegen haben in Deutschland, wie auch in Österreich, kaum eine Fortbildung oder Erfahrung in der Traumatherapie, sondern therapieren sehr gut die traumatisierten Klienten - wissen oder nicht wissen. Michela Huber: Erste Umfragen dazu gibt es, zum Beispiel von der Phoenix-Initiative, die zeigt, dass von Traumastörungen betroffene Menschen sehr unzufrieden sind, dass die meisten Psychotherapeuten und Psychiater oder Ärzte, die sie besucht haben, bedauerlicherweise sehr wenig über Traumastörungen wissen.

Weil die besonderen Umstände traumatisierter Menschen darin bestehen, dass sie in physische und psychische ZustÃ??nde gelangen, die sie mit ihrem alltÃ?glichen Selbst nicht kontrollieren können. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Probleme für vielschichtig verunsicherte Klienten, wenn sie auf so ungeschulte Kollegen treffen?

Michelaela Huber: Ich denke, es gibt zwei grundsätzliche Problem. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Was würden Sie dazu sagen, wenn wir von einer gut gemeinten Psychotherapeutin sprechen würden, die bedauerlicherweise noch keine Fortbildung im Traumabereich absolviert hat, aber vielleicht dieses Interview mitliest? Wie würde sie in der Praxis feststellen, dass sie höchstwahrscheinlich vor einer komplexen Traumatisierungskundin steht?

Michela Huber: Ich würde mich gar nicht erst zu überlegen anfangen, wie der Behandler ein akutes Trauma aufspürt? Bei vielen komplexen Traumatisierungen gibt es immer noch Umstände, die eine intensive Retraumatisierung bewirken und wie ein akutes Trauma wirken oder die noch Traumata ausmachen. Darüber hinaus sind die Menschen in ihrer eigenen Persönlichkeit äußerst beunruhigt, und das gilt insbesondere für die komplexen Traumata, und zwar in folgendem Sinne: Diese Menschen haben ein äußerst geringes Selbsteinschätzung, obwohl sie über eine ganze Reihe von Zuständigkeiten verfügen.

Dies charakterisiert komplexe Traumatisierungen von Menschen. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Wenn die Therapiebeziehung zwischen beiden stimmt, was sollte die Ärztin tun, wie sollte sie weitermachen, um diesem Kunden bestmöglich zu unterstützen? Michela Huber: Das hängt davon ab, ob die Therapiebeziehung zu diesem Moment gut ist oder ob der Kunde existenziell vom Therapeuten abhängt.

Der Therapeut, der eine gute Verbindung hat, sollte immer bestrebt sein, umgehend fachkundige und motivierte Fachleute an seine Seiten zu bekommen, die Beziehungen zu diesem Kunden zu pflegen und sich intensivierend zu schulen und in die Betreuung zu gehen. Ist das Verhältnis noch nicht in Ordnung und ist der Kunde nicht existenziell bedürftig, sollte er an einen erfahrenen Kollegen verwiesen werden.

Es gibt das wohlbekannte Dilemma, dass die meisten Kollegen, die über Traumawissen und -erfahrung verfügen, überfüllt sind. D. h., ich würde dir immer empfehlen, mit dem Kunden in Verbindung zu bleiben, ganz unkompliziert, sympathisch, unterstützend, der Stein in der Welle zu sein und gleich professionelle Hilfe an ihrer Stelle zu erhalten, ein kleines Hilfsnetzwerk aufzubauen, damit der Kunde nicht ausfällt.

Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Gehen wir zu den Kollegen, die sich speziell ausgebildet und qualifziert haben und die auch auf diesem Gebiet Erfahrung haben. McAELAELA HUBER: Das kommt darauf an. Ist das Management der Einrichtung im Grunde genommen der Ansicht, dass dies alles Unsinn ist, dass die klassische beschwerdeorientierte Therapie ausreicht, dann werden diese Kollegen nicht anerkannt.

Bei der Suche nach entsprechend ausgebildeten Traumatherapeuten gibt es die Tendenz, Kollegen mit den schwersten Patienten zu überschwemmen, und es gibt immer die Schwierigkeiten, die Arbeiten in Hilfsorganisationen zeitweilig, energisch und wirtschaftlich aufzubringen. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Das heißt, es wird einige wenige Berufserfahrene geben, die, permanent überschwemmt, das Risiko eingehen, ins Ausbrennen zu geraten?

Die von der Phoenix Initiative durchgeführte Expertenbefragung hat gezeigt, dass diejenigen, die mit komplexer Traumaarbeit mehr als andere zu tun haben, besser gebildet sind als andere, weniger Geld verdienen und die schwersten Kunden haben! Dies muss ein Warnzeichen an uns sein, um diese wertvollen Kollegen gut zu fördern, sie benötigen viel Aufmerksamkeit, sie benötigen Zeit und müssen viel finanzieller belohnt werden: z.B. B. für die vielen Zertifikate, die sie ausgefüllt haben, die vielen Telefonanrufe, die sie zur Unterstützung der Patienten tätigen müssen, die vielen "Runden Tische", die sie haben müssen, damit sie dem Schauspiel etwas Gerechtigkeit widerfahren können.

Es gibt hier einen großen Mangel, und das beunruhigt uns auch in den Spezialgesellschaften, denn wir stellen fest, dass das Risiko eines Burnout unter diesen Kollegen so hoch ist. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Das ist ein Aufruf an die Institute, aber auch an die KV? Das Problemfeld mit den Gesundheitskassen und dem Sozialwesen ist, dass wir immer individuelle Therapiezeiten oder -abläufe aufbringen.

Für die Förderung des Rückzugs aus zerstörerischen Anleihen, die Unterkunft von Schwachen, die Pflege und psychotherapeutische Versorgung von Teenagern und jungtraumatisierten Erwachen gibt es wenig oder gar keine Finanzierungsmodelle, um nur einige besonders umstrittene Fälle zu erwähnen. Dies ist es, was wir für traumatisierte Jugendliche und Jugendliche ebenso wie für Erwachsene verlangen.

Joanna SCHWETZ-WÜRTH: MICHAELA HUBER: In sozialer Hinsicht ist das eine Fehleinschätzung. Lediglich als Beispiel das Topic Asthma: 20 ? 80% der Patienten sind für 80 © COPY11% der Ausgaben verantwortlich, nämlich diejenigen, die kompliziert traumen! Gegen Ende unseres Gesprächs möchte ich noch einmal über die Praxis der Unfalltherapie reden und mit Ihnen über die grössten Probleme und Stolpersteine reden, denen auch gut geschulte Kollegen, die längerfristig mit komplexen Trauma-Klienten zusammenarbeiten, begegnen.

Michelaela Huber: Die größten Schwierigkeiten bestehen zunächst darin, das gegenseitige Interesse dieser Menschen zu wecken. Diese müssen diesen Vorgang verlangsamen, aber ohne dass sich der Kunde von uns löst, denn sie hat das Gefuehl, dass wir es nicht hoeren wollen. Nicht zuletzt werden wir große wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, da der Kunde neben den normalen Therapiezeiten mehr Zeit benötigt.

Es bedarf des Doppelunterrichts, zusätzlicher Termine in Gestalt von Anrufen, der Möglichkeiten, dazwischen in Gestalt von Mails zu texten oder WhatsApp, um die Verbindung aufrechtzuerhalten, die Brüche aufzunehmen, etc. Sie haben bereits die massiven und in der Praxis sehr anspruchsvollen Übertragungs- und Gegenübertragungserscheinungen erwähnt. Viele Kollegen sind in ihrer Grundausbildung in dieser Hinsicht nicht geschult.

Welchen Rat geben Sie Traumatherapeuten, um zu erlernen, mit diesen starken Erscheinungen so gut wie möglich umzugehen? Michela Huber: Die vielleicht größte Aufgabe ist: Versuche nie, dich in die Lage des verletzten Klienten zu begeben, wenn es um die Beschreibung der Traumatisierung geht. Weil der Kunde sich distanzieren kann, können Sie das nicht! Eine zweite Aufgabe ist es, alles, was der Kunde sagt, als "cum grano salis" zu betrachten, das ist es, was dieser Kunde oder dieser Teil des Kunden im Augenblick wirklich anfühlt.

Der Kunde widerspricht sich oft, viele Daten werden ungleich neben einander liegen, vollkommen losgelöst. Du solltest wissen, dass du der Kundin erst im Verlauf der Behandlung durch die strukturelle Arbeit die Gelegenheit gibst, ihre eigenen internen Wahrheiten zu klären und ihre eigene Story zusammenzustellen. Du wirst vom alltäglichen Selbst attackiert, weil du dich um die verletzten Innenteile kümmerst.

Der traumatisierte innere Teil greift sie an, weil sie die alltägliche Struktur und Funktionsweise im täglichen Leben anstreben. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Welche Vorstellungen haben Sie von Ihren Kollegen, Versicherungsgesellschaften, Politikern und der Presse, wenn es um den Schutz vor Verletzungen geht? Michela Huber: Ich wünschte, die Presse würde die Betroffenen nicht so beharrlich verhören, denn sonst würden sie Rückblenden anstoßen.

Von dieser Sensibilität für Traumata erhoffe ich mir, dass sie in allen Belangen wirksam wird, z.B. bei der Art und Weise, wie Rettungshelfer mit Menschen umgehen, die einen mentalen oder physischen Schock erlitten haben, und auch bei der Art und Weise, wie die Polizisten mit Interviews umgehen, dass sie immer eine beruhigende Atmosphäre schaffen und nicht während eines Infernos aufklären. Joanna SCHWETZ-WÜRTH: Sehr geehrte Michaela, vielen Dank für das Interview!

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